"Zu vergeben ist wichtig!" [Triggerwarnung]

Vorwort: [Achtung!: TriggerWARNUNG. Bitte lest diesen Text nicht, wenn ihr euch von Texten triggern lasst, das wäre genau das was absolut nicht in meinem Interesse wäre, und deshalb bitte ich euch diesen Text dann nicht zu lesen. Sollte euch dennoch interessieren was drinsteht, könnt ihr mich auch gerne via privater Nachricht hier oder auf Twitter kontaktieren und ich gebe euch eine grobe Zusammenfassung. Zusätzlich möchte ich anmerken, dass ich natürlich weder ein Psychologe oder sonst was bin, und euch nicht sage, dass es jedem helfen wird oder muss, es bei mir aber der Fall war und ist.]




"Zu vergeben ist wichtig!"...

...ist denke ich mal ein Zitat welches jeder von 'uns' schon einmal gehört hat...keiner hat diese Depressionen einfach so bekommen oder hat sich dazu entschlossen sich ab heute selbst kaputtzumachen.
Vorletzte Nacht hatte ich wieder ein Gespräch mit der Person die mir inzwischen schon sehr ans Herz gewachsen ist, und in meinem betrunkenem Zustand scheint mir aber wenigstens ein sehr wichtiger Satz von ihr in Erinnerung geblieben zu sein, und zwar, dass sie mit Vielem nicht abschließen kann, weil sie nicht vergeben kann...ein Gemisch aus Hass, Trauer, Wut und Enttäuschung ist zurückgeblieben, und das blockiert sie in vieler Hinsicht.
Ja und das hindert sie auch irgendwie ein bisschen daran den Weg zu Gott 'zu versuchen'...es ist wirklich schwer zu beschreiben, ich kann es aber nachvollziehen, weil es mir früher öfters ähnlich ging...einem widerfährt so viel Pech und Schmerz, sodass man irgendwann denkt 'da oben kann doch gar keiner sein der möchte das es mir gut geht, eher im Gegenteil...'. Heute weiß ich, dass dieses Denken falsch ist.
Aber das hier soll definitiv kein Text werden um irgendwen davon zu überzeugen seinen Weg zu Gott zu finden, nein, es geht viel mehr ums 'Vergeben', und auch damit meine ich nun nicht, dass man Gott vergeben soll, das wäre sowieso in jeglicher Hinsicht ein unsinniger falscher Satz, sondern ich meine, dass man durch Vergebung anderer Menschen gegenüber sehr viel Freiraum in seinem eigenen Herzen schaffen kann.

Entschuldigt die teilweise komische Ausdrucksweise, aber es ist nicht so einfach die passenden Worte für meine Gedanken zu finden.

Und ich meine nicht mal, dass man es der Person sagen muss die einem weh getan hat, man sollte es einfach für sich selbst schaffen. Ich selbst bin jahrelang mit sehr tiefem Hass gegenüber zwei Personen durch mein Leben gegangen, es hatte zwar zwei komplett unterschiedliche Gründe weshalb ich diesen Hass empfunden habe, und ich möchte das hier einfach nur für mich kurz differenzieren und deutlicher machen - Die eine Person hätte ich am liebsten leidend sterben lassen, und die andere Person hätte ich am liebsten einfach nie wieder gesehen...
Aber dieser Hass, diese Wut, die Trauer und die Enttäuschung haben mich so sehr in meinem täglichen Denken behindert, was ich aber erst im Nachhinein wirklich sehen konnte.
Ich möchte einfach nur versuchen euch mit auf dem Weg zu geben, dass es manchmal nicht nur in Ordnung sondern auch wichtig ist zu vergeben...nicht zu vergessen...nicht so zu tun als wäre alles in Ordnung, aber einfach nicht mehr mit diesem täglichen Hass durch die Gegend zu laufen. Ihr werdet merken, dass euch dadurch eine große Last vom Herzen fällt, weil ihr das einfach nur für euch selber macht und nicht für die andere Person. In der Hinsicht müsste ich nun sowieso sagen, dass nur Gott wirklich vergeben kann und das nur das wichtig ist, aber ich weiß ja, dass einige meiner Leser/innen nicht wirklich gläubig sind, und deshalb erzähle ich es euch von dem Standpunkt aus der nichts mit meinem Glauben zu tun hat.

Und um das nochmal zu verdeutlichen; ihr sollt nichts vergessen, nichts unter den Teppich kehren, nicht zu der Person zurückgehen die euch verletzt hat, die euch diesen tiefen Hass beschert hat, sondern ihr sollt nur für euch selbst vergeben und ohne dieses schwere Gefühl von Hass versuchen zu leben. Ich weiß, dass es sehr schwer ist, aber alleine der Versuch hat mir damals schon sehr weitergeholfen. Hier könnte man sagen eventuell sogar sagen "Der Weg ist das Ziel".
Man könnte auch die plumpe Aussage treffen "ändern kann man es ja sowieso nicht mehr", und die Aussage stimmt ja auch, aber das wäre viel zu einfach und unsinnig, denn so einfach geht es schlichtweg nicht.
Es hat auch viel damit zu tun, dass man sich ja oft irgendwie selbst eine (Mit-)Schuld einredet an dem was passiert ist, und damit muss man einfach abschließen, denn im Endeffekt gibt es einen triftigen Grund weshalb wir eine Person etwas bestimmtes nicht vergeben können, und egal was man vielleicht selbst falsch gemacht hat, man wollte nie das es zu sowas kommt.

Ebenso möchte ich klarstellen, dass ich ganz bestimmt nicht möchte das ihr es 'okay' findet was passiert ist. Ich finde es bis heute schlimm was meine beiden 'Beispiel-Personen' getan haben, daran hat sich nichts geändert, aber seitdem ich für mich in meinem Herzen vergeben konnte, ist eine sehr große Last weggefallen. Bei der einen Person würde ich niemals auf die Idee kommen ihm zu sagen, dass ich ihm für mich vergeben habe, ganz bestimmt nicht, und es ist, war und wird nie in Ordnung sein was dieser Mensch getan hat.
Aber leider sind sowas Vorfälle an denen wir nichts mehr ändern können, sie haben uns getroffen, sie haben uns kaputt gemacht, sie nehmen uns den Schlaf...aber sind sie das wert? Richten sie dadurch nicht nur noch viel mehr Schaden an?

Natürlich empfinde auch ich immer noch Verachtung für diese eine Person, ganz gewiss, aber es quält mich nicht mehr...ich habe die Situation akzeptiert, würde aber dennoch niemals auf die Idee kommen wieder Kontakt mit der Person haben zu wollen oder sonst was.

Es hat auch viel mit loslassen zu tun, wenn ihr diesen Schritt gehen könnt auf eine gewisse Art & Weise zu vergeben. Wir alle sind im Hier & Jetzt gefangen, das ist schon schwer genug, also sollten wir wenigstens versuchen die Vergangenheit loszulassen.

Ich selbst habe schon sehr viele extreme Beispiele mitbekommen, wodurch Menschen, mich selbst eben eingeschlossen, sehr tiefen Hass und eine sehr schwere Trauer entwickelt haben. Ich kann da alle möglichen Beispiele nennen die ich in meinem Leben mitbekommen habe und auch 'danach' Kontakt zu diesen Menschen hatte; Vergewaltigung, physische und psychische Misshandlungen, schwere Körperverletzung, Mord, Diebstahl, schwerer Vertrauensbruch...und das sind nur ein paar Beispiele, aber in all diesen Fällen wurde schon nach kurzer Zeit des Vorfalls deutlich, dass (inzwischen) gar nicht mehr die Tat die einem widerfahren ist oder die man miterleben musste das ist was einen so kaputt macht, sondern der Käfig aus Gefühlen in dem man sich selbst einsperrt. Man schämt sich für das was einem selbst widerfahren ist, man ist wütend weil einem sowas passiert ist, man versteht nicht und fragt immer wieder 'warum?' 'warum ich?', man weiß nicht wie man mit diesem Schicksal weiterleben soll...dabei macht man es schon lange...nur dieser Gefühlskäfig in dem wir uns selbst einschließen lässt es jeden Tag wieder in unseren Kopf kommen, wodurch dann alle Gefühle wieder da sind...und diese mit der Zeit immer stärker werden.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass das auch ein Punkt ist weshalb es für mich überhaupt noch erträglich ist mit meiner Freundin zusammen zu sein. Es gäbe bestimmt Sachen die ich ihr nicht vergeben könnte und weiterhin mit ihr zusammen sein wollen würde, aber das was sie mir eigentlich täglich antut schmerzt immer wieder...mir hilft es indem ich ihr das jeden Tag wieder verzeihe...jedes böse Wort...jeder Tritt...und im gleichen Atemzug bitte ich darum, dass auch mir meine Schuld verziehen wird.
Ich würde ihr das im Moment natürlich niemals sagen, das wäre ja wie ein 'Freifahrtschein' mir weiter und noch mehr weh zu tun, aber alleine für mich selbst ist es jeden Tag eine kleine Erlösung die mir ein bisschen Last, ein wenig Trauer, Wut und Enttäuschung von meinem Herzen nimmt, wodurch ich immer wieder etwas positiver in die Zukunft schauen kann, einfach immer wieder hoffen kann, dass wenigstens 'heute' oder 'morgen' ein besserer Tag wird, oder meinetwegen das kommende Wochenende wieder schön wird...
Nur um das zu verdeutlichen; sie ist natürlich keiner der beiden von mir Anfangs und zwischendurch immer wieder aufgegriffenen Personen.

Ich habe nun so viel geschrieben, und das eigentlich nur aus einem Wunsch heraus, dass wenigstens der Denkansatz bei euch eine Chance finden wird, egal wie schwer es ist...denkt nicht heute oder morgen darüber nach, behaltet es vielleicht irgendwo hinten im Kopf und wenn ihr euch bereit dazu fühlt versucht zu vergeben; nicht der Person alles vergeben und sich mit ihr anfreunden oder ähnliches nein, versucht für euch selbst, für euer Herz, zu vergeben. Vergessen sollt und werdet ihr es nie, dass habe auch ich nicht, aber seitdem ich diesen Schritt gemacht habe fällt es mir wesentlich leichter mit dem was mit/durch/wegen diesen Personen geschehen ist umzugehen, zu leben.

Ich hoffe wirklich sehr, dass mein Grundgedanke bei euch angekommen ist und das niemand mich falsch versteht; ich möchte euch hier ganz bestimmt nicht sagen, dass egal was es ist, es 'okay' oder 'weniger schlimm' ist was euch widerfahren ist. Alles was ich möchte ist zu versuchen euch einen Weg zu zeigen der mir geholfen hat mit schweren Schicksalsschlägen, ausgelöst von anderen Menschen, umzugehen und was das angeht mein Herz wieder etwas weniger zu belasten, wodurch ich wieder mehr Kraft bekommen habe mit dem Alltag umzugehen und (halbwegs) fertig zu werden.

Ich möchte euch zum Schluss nur noch ein kurzes (extremes) Beispiel nennen, welches ich vor Kurzem im Fernsehen gesehen habe. Und zwar ging es dort um eine Familie, eine Mutter und einen Vater, welche vor sehr vielen Jahren ihren Sohn durch einen Mord verloren haben. Ich glaube es war 20 Jahre später, als die Eltern es geschafft haben dem Mörder zu vergeben, und erst seitdem konnten sie wirklich wieder glücklich sein. Natürlich haben sie immer noch geweint, aber sie konnten diesen Hass und diese große Verachtung gegenüber dem Mörder ablegen, was ihnen sehr geholfen hat.

Ich danke jedem sehr der es bis hier hin geschafft hat zu lesen, und ich wäre noch viel dankbarer wenn ihr diesen Text positiv aufnehmt und es würde mich freuen wenn es euch etwas bringen würde, selbst wenn mir nur eine Person in zwei Monaten schreibt, dass ihm mein Text etwas geholfen hat, sehe ich meine Aufgabe die ich mir hiermit selbst gestellt habe als 'mehr als erfüllt' an.
Ich danke euch fürs Lesen, Anhören und Zuhören.

PS: Ich würde mich sehr freuen zu diesem Text Feedback zu bekommen, egal ob positiv, negativ oder neutral, kritisierend oder lobend, ich höre alles gerne. Ihr könnt mich kontaktieren wo es euch am liebsten ist (Kontaktformular, Kommentarfunktion, Gästebuch, private Nachricht auf myblog oder Twitter), und ihr könnt euch selbstverständlich sicher sein, dass ich jegliche private Kommunikation nicht in die Öffentlichkeit tragen werde, und wenn ich von irgendeinem Feedback berichten möchte geschieht das definitiv ohne Namen/Nickname oder genaue Einzelheiten.

- Das hier ist übrigens mein 100ster Blogeintrag, und irgendwas 'Besonderes' wollte ich dann sowieso schreiben und ich denke, dass dieser Eintrag dazu am besten geeignet ist, auch wenn er dadurch nun schon ein paar Tage darauf gewartet hat veröffentlicht zu werden
In diesen Tagen 'des Wartens' ist mir übrigens die eine Person, der ich für mich selbst schon vor längerer Zeit vergeben habe, die ich "am liebsten einfach nie wieder gesehen hätte", unglaublich entgegengekommen und hat mir sein Herz geöffnet...sich bei mir entschuldigt und sich erklärt...das waren die schönsten und bedeutungsvollsten Worte die ich jemals von einem Menschen gehört habe, was mich nur noch mehr darin bestärkt guten Gewissens voll und ganz hinter diesem Blogeintrag zu stehen und diesen Text nun auch 'endlich' als meinen 100sten Blogeintrag zu veröffentlichen :-) .

Alles Gute, viel Kraft und Gesundheit wünsche ich euch,
vieso

17.10.16 13:33

Letzte Einträge: Mein Leben ist für mich vorbei, Die Überlegung mein Leben aufzuschreiben, Ein trostloser Nachmittag, Und da sitze ich wieder...

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Jade / Website (22.10.16 22:49)
Ich finde es wirklich bewundernswert, wie offen du gerade über deinen Medikamenten und Alkoholkonsum redest dass ist ja anscheinend nichts was bei dir erst seit einigen Tagen so ist ich habe selber eine Polytoxikomanie also ich bin in der Hauptsache opiatabhängig aber um ehrlich zu sein konsumiere ich auch oxazepham ich brauche dir ja wahrscheinlich nicht zu erzähhlen dass du dafür dass du einmal nicht heulen mußt du durch diesen Mist totale Stimmungsschwankungen bekommst ich wünsche dir alles Gute


vieso (23.10.16 01:02)
Hallo,
ich danke dir für dein Feedback ne also ich bin da total offen..'bald' kommt noch mehr..

Danke, ich wünsche dir auch alles gute und viel Glück

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